Frankfurter Kasematten bei Ausgrabungen entdeckt und freigelegt

Als man im Jahr 2009 mit den Bauarbeiten für das neue Betreuungs- und Verwaltungszentrum der Stiftung Waisenhaus begann, fand man bei Ausgrabungen gut erhaltene Reste der städtischen Verteidigungsanlage aus dem 17. Jahrhundert.

Ein 90 Meter langes Teilstück der Kasematten gehört dazu. Einst ließ der Kasseler Ingenieur, Johannes Wilhelm Dilich, die Frankfurter Neustadt zick-zackförmig einmauern. Im Auftrag der Stadt errichtete er aus sorgsam behauenem Rotsandstein die Stern-Bastion. Die Verteidigungsanlage wurde geschaffen, weil die mittelalterliche Stadtmauer keinen genügenden Schutz mehr bot.

Die Bedeutung des Fundes wird für die Frankfurter Stadtgeschichte sehr hoch eingeschätzt, weil es in Frankfurt an keiner anderen Stelle Kasematten mit Schießscharten gab. Diese Einmaligkeit nahe dem Friedberger Tor ist darauf zurück zu führen, dass Johann Wilhelm Dilich eine Quelle zugeschüttet hatte, anstatt sie ganz trocken zu legen. Daraufhin lief der Gang voll Wasser und die Stadt verzichtete auf weitere Kasematten. Der nicht mehr benutzbare Gang führte dazu, dass Dilich davor die nun ebenfalls freigelegte Schanze errichtete. Die Kasematten dienten im Zweiten Weltkrieg den Bürgern als Schutzbunker. Rostige Metallmöbel zeugen noch aus dieser Zeit.

Bevor die Stiftung Waisenhaus mit den Bauarbeiten begann, vermutete das Denkmalamt aufgrund von Aufzeichnungen an dieser Stelle Reste der Stadtmauer, man war jedoch über das Ausmaß der freigelegten Kasematten überrascht. Die Stiftung Waisenhaus fühlt sich mit dem Denkmal verbunden, zumal beide fast zur gleichen Zeit entstanden sind. Deshalb nahm man auch erhebliche Mehrkosten für den Neubau in Kauf, dessen Planung das Denkmal in das Untergeschoss des Gebäudes integriert.

Ein Stahlträger wurde eingezogen, unter dem Sternbastion und Wehrgang über eine Treppe zugänglich sind. Der Weg zum Eingang führt nun an Schautafeln vorbei, die unter anderem auch den Grundriss der früheren Verteidigungsanlage zeigen. Im Inneren der Kasematten ist die Luft kühl und feucht. Die Feuchtigkeit schlägt sich an den Wändern nieder. Der Boden wurde mit Holzpaneelen verkleidet. Der Gang ist 40 m lang.

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